26. September 2010

Sicherheitstraining am Lac d'Annecy

Eigentlich wollte Kai im September kein Sicherheitstraining anbieten, aber der Termin im Mai musste wegen des schlechten Wetters abgebrochen werden und so gibt es einen Nachholtermin. Samstag und Sonntag sind zum Kennenlernen des Fluggebiets gedacht, Montag und Dienstag können die ersten Manöver geflogen werden. Ab Mittwoch sollen die Teilnehmer vom Mai dazustossen.
Wolfgang möchte am Training nicht teilnehmen und nur als Freiflieger dabei sein. Tanja meldet sich bei uns und möchte ebenfalls als Freiflieger in der Woche dabei sein. Also verabreden wir uns für Freitag 15 Uhr in Ladenburg.

Freitag 10. September 2010
Wolfgang und ich stehen gemütlich auf und geniessen den ersten Urlaubstag. Nach einem ausgiebigen Frühstück fangen wir mit dem Packen an. Neben unseren Gleitschirmen wollen wir auch die Rennräder mitnehmen. Zum Glück hat Tanja ihren Schirm bereits zu Kai  gebracht, der ihn im Bus mitnehmen wird. Die Logistik im Auto ist dennoch nicht so einfach, aber Wolfgang ist ein Packgenie. Also haben wir nach einiger Zeit alles untergebracht, nebst Schlafsäcken, Schuhen, Klamotten und meinen geliebten Technikartikeln.
Um 14 Uhr geht es los. Erstmal volltanken und dann auf dei A5 nach Ladenburg. Dort ist Tanja auch schon bereit und weiter geht es Richtung Basel. An den Baustellen rund um Baden-Baden verlieren wir etwas Zeit, aber im Großen und Ganzen kommen wir gut durch. Die Fahrt durch die Schweiz übenimmt wie immer Wolfgang, der gemütlich mit 120 km/h in die Dämmerung hinein fährt. Inzwischen haben wir auch Nachricht von Kai, der hinter uns sein muss und etwa 30 min. nach uns ankommen soll. Anweisungen für die Schlüssel am Campingplatz haben wir erhalten.
Gegen 20 Uhr machen wir nochmal Halt und gehen zu McDonalds auf einer Autobahnraststätte, schließlich ist am Campingplatz bis wir ankommen schon alles dicht. Die letzte Etappe übernehme ich und um 21:30 Uhr fahre ich am CAMPING*** LA NUBLIERE vor. Dort steht ein Security-Wagen und ansonsten sieht es recht verlassen aus. Mit meinen Französich-Brocken, versuche ich unser Anliegen zu erklären und das Code-Wort "KAI" ist der Schlüssel. Wir bekommen eine Einfahrtkarte und den Schlüssel zum Mobile-Home und kurz darauf richten wir uns ein.
Der Bus mit Kai, Matthias und einigen Teilnehmern ist ebenfalls bald darauf da und wir machen bei einem warmen Weizenbier die Pläne für den nächsten Tag. 

Samstag 11. September 2010
Um 8:30 Uhr geht es mit Bus und PKW nach Doussard zum Frühstück, da das Küchenzelt noch nicht aufgebaut ist. Erst holen wir uns Croissants in der Boulangerie und dann nehmen wir den Kaffee in der Bar nebenan. Das Wetter ist klasse und wir freuen uns schon auf den ersten Flug. Zunächst haben wir aber noch einige Arbeiten vor uns. Kai und ich gehen Einkaufen und die anderen machen sich unter der Anleitung von Thorsten an den Zeltaufbau. Der Großeinkauf macht mir riesig Spaß, wir laden 4 große Einkaufswagen mit Getränken, Obst, Gemüse, Nudeln usw. in den Passat und gehen dann noch gemütlich einen Kaffee trinken. Nach 2 Stunden sind wir zurück und die Zelte sind auch schon aufgebaut, nun kann es zum Fliegen gehen.

Küchenzelt
Küchenzelt

Um 13 Uhr ist Briefing, die Bedingungen am Col de la Forclaz sehen gut aus. Da Wolfgang und ich den Landeplatz bereits kennen, fahren wir gleich auf den Berg, müssen aber die letzten Meter Laufen. Kurz vor dem Startplatz überholt uns der Bus und so ist die Gruppe gemeinsam am Startplatz. Thorsten erklärt die Besonderheiten dieses Startplatzes, der wirklich sehr einfach ist. Nur die vielen Starter machen es manchmal komplizierter. Nach und nach packen wir aus und starten. So richtig Thermik haben wir nicht, nur Wenige können sich etwas halten.  

Alte Drachenstartrampe
Alte Drachenstartrampe

Startplatz Col de la Forclaz
Auslegplatz am Col de la Forclaz

Nach einiger Zeit mache ich mich ebenfalls fertig, auch wenn es wahrscheinlich nur einen Abgleiter gibt. Ich starte und fliege nach rechts raus, wo es etwas Aufwind gibt. Leider geht es nicht richtig nach oben und so mache ich mich bald ab Richtung Landeplatz. Da es super ruhig ist, nutze ich die Zeit, um ein paar Fotos zu machen.

Sicherheitstraining
Blick Richtung Landeplatz

Lac d'Annecy
Lac d'Annecy

Am Landeplatz treffe ich Andere aus der Gruppe und wir fachsimpeln etwas, bis uns Georg mit dem Bus wieder nach oben fährt. Die Bedingungen am Start sind besser geworden und in der Luft tummeln sich einige Gleitschirme. Also zaudere ich nicht all zu lange und mache mich startklar. Thorsten bringt mit seiner Art Ruhe auf den Platz und läßt uns nacheinander starten. Direkt vor dem Startplatz geht es erstmal nach oben, einfach herrlich. Ich fliege einem Tandem hinterher und hoffe, dass er den richtigen Bart findet. Leider funktioniert diese Taktik nicht ganz, aber ich komme mit guter Höhe zurück zum Startplatz. Ich soare zwischen Startplatz und Restaurant hin und her und halte mich immer mehr oder weniger auf Startplatzniveau. Mir machen diese "Duddelflüge richtig Spaß, ich geniesse die Aussicht auf den See und die herrliche Abendsonne.Nach gut 30 min geht es zum Landeplatz, wo der Wind am Boden gedreht hat. Das hat aber nicht jeder Pilot gesehen und so lande ich gegen den Wind mit Gegenverkehr, aber absolut problemlos für mich.

20100911 Col de la Forclaz 2 Vario
Duddelflug

Nach dem Einpacken mache ich mich mit Wolfgang auf den Weg zum Campingplatz, um Kai beim Küchendienst zu helfen. Am ersten Abend ist das nicht so schwierig, denn traditionell wird gegrillt. Also müssen wir nur noch Kartoffeln kochen und einen Salat machen und schon ist der Küchendienst für die Woche erledigt. Es sollte aber für mich ganz anders kommen... 

Sonntag 12. September 2010
Auch heute ist um 9 Uhr Briefing. Auf Wunsch von Stefan wollen wir ein anderes Fluggebiet ausprobieren. Da müssen wir mit einigen Privataustos fahren. So steigen Wolfgang, Tanja, Marlon und ich in den Passat und fahren hinter dem Bus Richtung Crête de Chatillion. Auf dem Pass angekommen, gibt es eine kleine Fotosession, da der Mont Blanc zu sehen ist und ein Briefing für alle, die einen Flug bis nach Hause wagen wollen. Hierzu braucht man vom Startplatz aus etwa 500 m Überhöhung, um an die nächste Crête zu fliegen. Hinter dieser liegt dann schon der Lac d'Annecy und der Landeplatz ist zu sehen.

Mont Blanc
Mont Blanc

Mont Blanc Blicke
Fotosession

Der Startplatz liegt einige Meter unterhalb des Passes in der Nähe einer Skistation, wo wir parken. Vom Startplatz aus bekommen wir noch die Landeplatzeinweisung, denn dieser ist von dort gut zu sehen. Als einer der Ersten ist natürlich Stefan in der Luft, aber von Thermik noch keine Spur.

Crête de Chatillion
Crête de Chatillion

Ronald
Ronald und Thorsten am Funk

Die Startbedingungen sind sehr gut und ich mache mich auf zu einem Abgleiter, denn Starten und Landen übt. Wie vermutet ist keine Höhe zu machen und so folge ich den anderen zum Landeplatz. Thorsten hatte zwar erzählt, dass der Platz leicht ansteigt, aber ich hatte nicht mit einer echten Stufe gerechnet. Auf diese habe ich natürlich genau zugehalten und so gab es mal wieder eine echte A....landung, zum Glück hat aber keiner hingesehen.

Crête de Chatillion
Flug von der Crête de Chatillion

Schon bald werden wir von Georg abgeholt und nach oben gefahren. Ich hole mir aus dem Auto meinen Kaffeekocher und mache erstmal gemütlich Mittag. Die Bedingungen werden immer besser und Einige können sich halten. In der Ferne sieht man aber schon schöne Cumulus-Wolken, die sich auftürmen und auf Gewitter hindeuten. Mein Kaffeekocher braucht aber noch und so schaue ich erstmal nur zu. Über Funk hören wir, dass sich Thomas und Markus auf den Weg Richtung Heimat machen. Nicht schlecht, denke ich und weiß nicht, ob ich mir ein solches Unternehmen zutrauen würde. Der Wind am Startplatz nimmt zu und es steigen auch immer mehr Piloten in die Lüfte. Kai mahnt uns allerdings, die Wolken zu beobachten, die sich hinter uns auftürmen.

Crête de Chatillion
Crête de Chatillion

Langsam mache ich mich auch fertig und gehe an den Start, wo der Wind etwas bockiger geworden war. Ich ziehe den Schirm auf, der nach rechts zieht. Ich versuche zu korrigieren und werde zu zwei Schirmauslegern gezogen. Ich hebe etwas ab und kann nicht richtig korrigieren. Ich kollidiere nur knapp nicht mit den Beiden, komme wieder auf den Boden und werde ein Stück den Hang hinauf gezogen. So ein Mist, die Schienbeine werden bestimmt blau. Zum Glück ist aber nicht mehr passiert und kurz darauf starte ich perfekt raus. Irgendwie ist mir bei dem Flug aber nicht wohl. Vielleicht liegt es am misslungenen Start oder an den Wetterbedingungen, jedenfalls wird es recht kurzer Flug. Am Landeplatz sitzen schon Einige und wir geniessen die herrliche Sonne.

Albert und Stefan
Albert und Stefan

Kurz nach Wolfgangs Landung kommt der Bus und ich fahre wieder hoch, Wolfgang wartet auf die nächste Auffahrt. Am Parkplatz angekommen, erhalten wir schlechte Nachrichten. Thorsten ist beim Versuch einer Toplandung ins Lee gekommen und liegt verletzt auf der Wiese. Kai hat bereits den Krankenwagen gerufen, aber der läßt auf sich warten. Ich warte mit Tanja und als der Krankenwagen endlich da ist, überlegen wir uns zum Landeplatz zu fahren. Das ist aber gar nicht so einfach, da wir den Weg nicht genau wissen. Unten an der Strasse treffen wir einen französischen Gleitschirmflieger, den wir ein Stück mitnehmen und der uns den Weg zeigt. Am Landeplatz treffen wir Wolfgang und Michael, die beiden letzten unserer Gruppe. Wir machen uns in Absprache mit Kai direkt auf den Weg nach Annecy und hoffen alle, dass die Verletzung von Thorsten nicht so schlimm ist.
Am Küchenzelt treffen wir Markus, der erzählt, dass er den Heimflug nicht geschafft hat. Die Aussenlandung war aber kein Problem und Thomas hatte es dann doch nicht probiert. Da wir die Ersten am Campingplatz sind, bereiten wir schon mal das Essen vor. Wir haben Reste vom Grillen und so gibt es Bratkartoffeln mit Fleischeinlage und dazu einen Salat. Das Kochen in großen Mengen macht mir richtig Spaß und so nimmt meine Kochkarriere in dieser Woche seinen Anfang. Nach und nach trudeln die anderen ein und wir hören, dass Thorsten ins Krankenhaus nach Annecy gebracht wurde. Er hat einen offenen Bruch am Oberarm und mehr ist noch nicht bekannt, da müssen wir bis morgen warten. Jetzt essen wir erstmal und es freut mich, dass es allen schmeckt. Für den nächsten Tag planen wir die Theorie, denn heute hat keiner mehr Lust darauf.

Montag 13. September 2010
Heute gibt es nach dem Frühstück kein Briefing, es geht ins Theoriezelt zur K-Prüfung und den ersten Theorieinheiten zu Wing Over, B-Stall und Steilspirale. Nachdem alle im Simulator ihre Rettung gezogen haben, erklärt Kai die Manöver. Wolfgang schaut kurz vorbei und verabschiedet sich zu einer Radtour auf den Col de la Forclaz. Die Teilnehmer aus dem Maikurs sind inzwischen auch auf den Berg gefahren, um einen ersten Flug zu machen.
Inzwischen erhalten wir auch Nachricht von Thorsten, der "nur" einen offenen Oberarmbruch hat und operiert werden muss. Am Nachmittag wollen Markus, Andre und Achim zu ihm fahren, um ihm etwas zum Anziehen und sonstige Kleinigkeiten zu bringen. Kai hat die Frage der Startbetreuung auch schon geklärt. Daniel wird am Startplatz sein, der eigentlich als Fahrer eingesetzt werden sollte. Busfahrer wird es schon geben, einen Fluglehrerassistenten findet man weniger.

K-Prüfung
Albert und die K-Prüfung

Im Anschluß machen wir die Landeplatzeinweisung für das Sicherheitstraining direkt am Campingplatz. Der Platz ist recht klein und wer nicht aufpaßt landet im See. Der Wind ist recht stark und die andere Gruppe ist unverichteter Dinge auch wieder da. So beschließen Albert und ich zum Einkaufen zu fahren und so die Zeit zu nutzen. Bei 20 Mann ist das Bier (4 Paletten) eben nach 2 Tage alle und für das Abendessen hatte ich mir schon Spaghetti Bolognese überlegt.

Landeplatzeinweisung
Landeplatzeinweisung

Landeplatz
Landeplatz

Nach dem Einkaufen haben sich die Windbedingungen nicht geändert und das Fliegen ist erstmal abgesagt, nächstes Briefing um 17 Uhr. Drum sind Einige zum Groundhandling an den großen Landeplatz gefahren. Wolfgang ist inzwischen auch von seiner Radtour zurück und ist ganz happy. Nach einem kleinen Snack schmeissen wir die Säcke in den Passat und fahren zum Landeplatz. Dort sitzt die Gruppe auf der Wiese und schaut Dani beim Handling zu, der es echt drauf hat.

Groundhandling
Groundhandling

Groundhandling
Groundhandling

Der Wind ist teilweise sehr böig und so ist es schon anstrengend. Dani gibt gute Tipps und so klappt es bei mir schon recht gut. Nur beim Ausdrehen bewege ich mich zu wenig und der Schirm bleibt nicht immer über mir. Zur Briefingzeit ist klar, dass der Wind zum Fliegen immer noch zu stark ist und so bleiben wir auf der Wiese.
Zurück am Campingplatz mache ich mich auf zum Küchenzelt, wo ich auch bald Helfer (Franz und Markus) zum Kochen finde. Ich manage das Kochen und neben Spaghetti Bolognese gibt es noch Tomaten mit Mozzarella. Hiermit ist mir der Job gesichert, denn alle sind von meinen Kochkünsten begeistert.

Tomate, Mozzarella
Tomate mit Mozzarella

Nudeln angeln
Spaghetti angeln

Dienstag 14. September 2010
Heute wird es ernst, ich will die ersten Manöver über Wasser machen. Um 8 Uhr fährt der erste Bus nach oben, zum Glück gibt es bereits Kaffee, das Frühstück muss warten (ist vielleicht auch besser so). Am Startplatz treffen wir Stefan, der mit dem Fahrrad hochgefahren ist, im Bus war nur noch Platz für seinen Schirm.
Der Wind kommt leicht von hinten, da heißt es erstmal warten. Jeder hat die Manöver für seine ersten 3 Flüge auf Zettel geschrieben, die Kai auf's Boot mitgenommen hat. So kann er jeden individuell einweisen. Der Wind flaut ab und die Ersten starten. Ich habe die vermeintlich einfachen Manöver B-Stall und Wing Over auf dem Programm und gehe an den Start. Ich laufe los und muß tierisch rennen. Wenn Dani nicht gewesen wäre, hätte ich abgebrochen, da ich kaum Druck auf den Leinen gespürt habe. So komme ich gut in die Luft und schaue mir erstmal genau alle Leinen an, die ich für die Manöver brauche. 
Die Luft ist absolut ruhig und ich gleite Richtung See. Es dauert eine ganze Weile, bis ich Kai über Funk höre. Kamera ein für Corinna und los geht´s. Kai gibt das Kommando B-Gurte ziehen und ich lege mich ins Zeug. Aber nichts passiert. Ich ziehe wie ein Stier, aber ich bekomme die Leinen nicht runter gezogen. Das war's wohl mit dem B-Stall, nichts für mich und meinen Schirm. Das nächste Manöver funktioniert viel besser. Ohren anlegen, nachgreifen, Beschleuniger treten und mit Gewichtsverlagerung in die Kurven gehen. Das ist klasse, ich schaukel ein paar mal hin und her und habe den Rhythmus gut raus. Da heißt es auch schon ausleiten, Beschleuniger halb freigeben, Ohren ausklappen und raus aus dem Beschleuniger. Weiter geht es zur Landung, vor der ich schon Respekt habe, da der Platz recht klein ist. Da so gut wie kein Wind geht, kann ich vom See aus anfliegen und eine Wasserlandung ist somit unwahrscheinlich. Naja, ich komme mal wieder auf dem Hintern runter, aber ich bin happy, meinen ersten Sicherheitstrainingsflug geschafft zu haben.
Jetzt mache ich mir Frühstück und lasse einen Bus aus. Vielleicht nicht so gut, weil nun die Steilspirale auf dem Programm steht, aber ich brauche auch etwas Ruhe. Bald ist der Bus wieder am Platz und ab geht es. Der Startplatz hat sich mittlerweile gefüllt, drei weitere Schulen sind oben. Es ist aber gut organisiert und ich brauche nicht lange auf den Start zu warten. Ein wenig mulmig ist mir schon, aber ich freue mich auch auf meine erste Steilspirale. Los geht´s und ich warte geduldig auf Kai's Kommandos. Kamera ab und ich leite eine Linkskurve ein, die ich halte und halte und dann kippt der Schirm. Es ist wie im Kettenkarussel und ich finde es prima. Da kommt schon das Kommando zur Ausleitung und mit etwas Pendeln befinde ich mich auf geradem Kurs. Das muss ich gleich nochmal machen denke ich und fliege zum Landeplatz. Diesmal mit Wind vom See und ich hole am Platzende unnötiger Weise zu weit aus, aus Sorge vor einer Wasserlandung. Das Resultat ist, dass ich rumwackel und dann fast im Graben lande, das muss besser werden. Wolfgang ist am Platz und gratuliert zur ersten Steilspirale.


Corinna
Rumpampeln bei der Landung


Corinna
Steilspirale ist TOP


Bei der nächsten Auffahrt unterhalte ich mich mit Michael über den B-Stall. Er meint, dass ich das Schaffen muss, ich soll einfach meine Körpermitte finden, richtig nach oben gehen und dann die B-Gurte runterziehen. Ich bin nicht ganz überzeugt davon, verspreche aber, es nochmal zu versuchen. Aber erst nochmal eine Spirale!
Das Procedere am Startplatz ist nun schon Routine und ich bin nicht mehr so nervös vor dem nächsten Flug. In der Luft ist es nicht mehr ganz so ruhig, aber auch nicht wirklich thermisch. Ich freue mich auf das Kommando von Kai und schon geht es wieder in die Linkskurve und richtig schnell in die Spirale. Jetzt wirken schon ganz gut die Kräfte, aber ich fühle mich wohl. Ich kontrolliere etwas mit der rechten Bremse, da kommt dás Kommando zur Ausleitung. Dies gelingt mir nicht sofort und ich höre Kai nur Ausleiten Ausleiten rufen. Also lehne ich mich mehr nach rechts und das beendet die Spirale. Ich wackel zwar etwas hin und her, fühle mich aber zu jedem Zeitpunkt sicher. Nach der Landung treffe ich Kai, der eine Pause einlegt. Er erkundigt sich etwas besorgt, ob das nicht zu heftig war, aber ich fand es einfach nur klasse und Kai meint dann, dass ich die Ausleitung aktiver machen soll. Einige hatten mein Manöver gesehen und waren überrascht und voll Anerkennung, dass ich schon im zweiten Flug eine gute Spirale hingelegt habe.


Sicherheitstraining
Landeanflug


Sicherheitstraining
Versteckt im hohen Gras

Georg, Marlon, Felix 
Landewiesenpause

Am Nachmittag gibt es noch einen weitern Flug und ich probiere nochmal den B-Stall. Ich suche meine Körpermitte, richte mich auf und ziehe an den B-Leinen. Nichts passiert...
Zur Belohnung mache ich noch richtig schöne Wing Over und eine gute Landung.
Am Abend haben wir noch Theorie und lernen die unterschidlichen Klapper. Neben den verschiedenen seitlichen Einklappern, werden wir morgen auch einen Frontklapper provozieren. Für mich klingt alles machbar und so notiere ich neben den Klappern auch noch die Spirale auf das Programm für morgen.
Danach geht es zum Kochen ins Zelt, heute gibt es Nudeln mit Gemüsesauce. Dort sind auch noch weitere Teilnehmer angekommen, die im Mai beim verregneten Training dabei waren. und die Tage nun nachholen. Auch Bettina ist da, die bei Thorsten im Krankenhaus war und nur Gutes zu berichten hat.


Mittwoch 15. September 2010
Um 8 Uhr geht es an den Startplatz, wo es (natürlich) leichten Rückenwind gibt. Uns macht das aber kaum etwas aus, die Starts haben gestern alle geübt. Der Blick auf den morgenlichen See ist herrlich.

Lac d'Annecy
Lac d'Annecy am Morgen

Lac d'Annecy
Lac d'Annecy am Morgen

Mein erster Flug klappt super. Ich fange mit dem Baby-Klapper an und steigere mich bis zum beschleunigt geflogenen Klapper. Ich kann den Schirm immer gut auf Richtung halten und habe kein Problem mit dem Wegdrehen des Schirms. Beim zweiten Flug fliege ich eine weitere Steispirale, das Einleiten ist kein Problem, aber das Ausleiten muss ich noch üben. Ich bin froh, dass Kai die Kommandos gibt, denn ich kann meine Höhe nicht wirklich abschätzen.
Mein dritter Start wird durch einen Hubschraubereinsatz verzögert. Der Hubschrauber fliegt kurz über den Startplatz und dann suchend am Hang hin und her. Nach einer Weile wird sogar eine Person abgesetzt, es wird aber nicht klar, was nun eigentlich los ist. Nachdem der Abgesetzte wieder abgeholt ist, entfernt sich der Hubschrauber und der Flugbetrieb wird wieder aufgenommen.

Startplatz Col de la Forclaz
Hubschrauber am Startpaltz

Rettungshubschrauber
Absetzen

Rettungshubschrauber
Abflug

Bei mir stehen jetzt Wing Over und Frontklapper auf dem Programm. So am zweiten Tag habe ich schon etwas Routine und bin längst nicht mehr so aufgeregt. Ich absolviere die Manöver, fühle mich gut dabei und lande richtig gut. Schließlich schaut Wolfgang auch nicht zu. Ich höre, das er am Morgen am Oststartplatz war und mittlerweile auf den Col de la Forclaz gefahren ist. Der Wind hat allerdings aufgefrischt und kommt teilweise von hinten, also fahre ich nicht rauf und mache erstmal Mittag. Danach fahre ich Einkaufen, denn die Biervorräte sind zusammengeschmolzen und für den Abend will ich Fleisch für Gulasch einkaufen.
Ich kommme gegen 4 Uhr mit vollgepacktem Auto zurück, das sofort von hilfbereiten Fliegern ausgeräumt wird. Wir können noch etwas von den neuen Vorräten stibitzen bis der Bus uns abholt. Der letzte Flug für heute in der Abendsonne hätte auch ein Genussflug werden können, aber mich reizt die Steilspirale zu sehr. Drum geht es nochmal ran und ich spirale ein letztes mal für heute nach unten.

Wolken
Wolkenaufzug am Col de la Forclaz

Startplatz Col de la Forclaz
Startplatz

Nach einer gelungenen Landung werde ich von Wolfgang mit einem Landebier begrüßt. Er hatte heute einen schönen Thermikflug und ist richtig zufrieden. Wir machen es uns gemütlich und schauen noch etwas dem Treiben zu, bevor ich mich mit Franz, Andreas und Markus ans Essen kochen mache.

Donnerstag 16. September 2010
Heute starten wir nach dem Frühstück, jeder soll nochmal 2 Flüge machen, die gefilmt und ausgewertet werden sollen. Außerdem hat Thomas noch etwas Besonderes vor, er will die Rettung ziehen und im See landen. Für mich steht im ersten Flug Steilspirale auf dem Programm und dann Wing Over und gehaltener Klapper. Die Einleitung der Steilspirale klappt heute nicht so gut, ich brauche eine ganze Weile bis der Schirm spiralt. Die Ausleitung geht ganz gut, aber ebenfalls nicht optimal. Da haben wir bei der Videoauswertung Verbesserungspotential zum Analysieren.
Gleich geht es nochmal hoch zum 2. Flug. Wir wollen natürlich alle rechtzeitig unten sein, denn schließlich wollen wir den Rettungsschirmwurf von Thomas sehen. Die Manöver klappen gut und mit der Landung bin ich hoch zufrieden, auch wenn sie etwas zu kurz im hohen Gras endet.

Ziege gelandet
Ziege gelandet

Jetzt wird es spannend und wir suchen uns alle ein gutes Plätzchen, um Thomas zuzuschauen. Über Funk hören wir, dass er gestartet ist. Kurz darauf eshen wir ihn auf den See zufliegen. An der Position funkt Kai, dass er loslegen kann. Wir sind gespannt, er will einnen Full-Stall fliegen und dann die Rettung ziehen. Jetzt geht alles ganz schnell, der Schirm verformt sich und schon ist die Rettung draussen. Ich weiss nicht, ob ich das mal ausprobieren möchte. Der eigentliche Schirm ist fast wieder in normaler Form und die Rettung ist voll entfaltet. Nach ein paar Sekunden ist Thomas im Wasser und wird schnell von Kai herausgezogen. Nach einiger Zeit machen sie sich auf den Weg zum Strand und kurz drauf steigt Thomas pitschbass, aber glücklich aus dem Boot.

Thomas wirft die Rettung
Thomas kurz vor der Wasserlandung

Sicherheitstraining
Die Zuschauer

Thomas
Wieder an Land

Jetzt kommt das Schwierigste, der Schirm muß an Land gebracht und getrocknet werden. Hier helfen alle mit. Der Rettungsschirm kann im Wind richtig aufgezogen werden, aber der eigentliche Schirm ist mit dem vielen Wasser viel zu schwer und muss erstmal ausgeschüttelt werden.

Sicherheitstraining
Der nasse Schirm wird an Land gebracht

Leinen entwirren
Leinen entwirren

Rettungsschirm
Rettungsschirm

Schirm zum Trocknen auslegen
Schirm zum Trocknen auslegen

Nach dieser Aktion ist Pause angesagt, denn das Wetter wird trübe. Für 15 Uhr ist das nächste Briefing angesetzt. Also machen wir erstmal Mittag und setzen uns gemütlich auf die Veranda unseres Mobile-Home. Wolfgang und ich überlegen schon, ob wir eine kleine Runde mit dem Rad drehen, denn es sieht nicht nach Fliegen aus, zu viel Wind. Beim Briefing bestätigt sich unsere Vermutung, erstmal kein Start. Drum setzen wir uns auf das Rennrad. Allerdings kann ich mich nicht zu einer Passrunde aufraffen und so biegt Wolfgang zum Col de la Forclaz ab, während ich weiter Richtung Albertville fahre. Der Rückenwind ist herrlich und so bin ich bald in Marlene am Landeplatz des Col l'Epine. Weiter geht es auf dem Radweg bis kurz vor Ugine, wo ich wegen einer Baustelle auf die Strasse muss. Hinter Ugine hört der Radweg auf und nach einer Weile beschliesse ich umzukehren. Es wird auch schon dunkler, Regen zeichnet sich ab.

Radtour
Radtour

In Doussard hole ich noch Baguette, denn heute gibt es eine Vorspeise: Baguette mit Avocado-Thunfischcreme. Am Landeplatz überholt mich unser Bus, der, wie ich später höre, die meisten vom Startplatz heruntergefahren hat. Die Startbedingungen waren einfach zu schlecht, wie gut, dass ich auf dem Rad bin.
Wolfgang kommt kurz nach mir von seiner Runde auf den Campingplatz an und kurz darauf fängt der Regen an. Für morgen sieht es nicht so gut aus.
Wir gehen zum Küchenzelt, um die Pilz-Sahnesauce vorzubereiten, dort treffen wir Thorsten. Er hat einen Verband am Arm, den er in einer Schlinge hat, aber es geht ihm sichtlich gut. Wir quatschen eine Weile und dann geht es an's Kochen. Auch diesen Abend hat es wieder allen geschmeckt und das Rezept für die Avocado-Thunfischcreme muss ich mehrfach weitergeben.

Freitag 17. September 2010
Das Wetter ist trübe, es hat fast die ganze Nacht geregnet. Nach dem Frühstück treffen wir uns im Theoriezelt und schauen uns die Videos der gestrigen Flüge an. Dani erklärt, was wir verbessern können. Die Wolken hängen weiterhin tief und Tanja, Wolfgang und ich beschliessen heute schon nach Hause zu fahren.

Dani und ich
Dani und ich

Abschied vom Lac d'Annecy
Tiefhängende Wolken

Wir sind nicht die Einzigen, die heute schon fahren und so fällt der Abschied auch nicht so schwer. Die Taschen sind bald gepackt und das Auto mit Gleitschirmen und Fahrrädern zu beladen, ist nicht mehr so schwer. Zum Abschied schreibe ich Kai noch eine Einkaufsliste, denn der nächste Kurs kommt morgen. Das Kochen hat mir die Woche super viel Spaß gemacht und Einige wollen mich schon für's nächste Jahr engagieren. Zeit hätte ich ja, schaun mer mal...
Gegen 2 Uhr fahren wir los und kommen natürlich in den einen oder anderen Freitag-Feierabendstau. Nach der super Fliegerwoche, ist mir das aber egal und das Wochenende habe ich schließlich auch noch vor mir.
Eines ist klar: Nächstes Jahr mache ich wieder ein Sicherheitstraining bei Kai.