Vogesentour 2009
Mittwoch 20. Mai 2009
Ein langes Wochenende liegt vor mir, denn ich habe den Brückentag kurzfristig frei genommen :-).
So richtig geplant habe ich nichts, ein paar Optionen habe ich, aber ich will einfach mal ausspannen, denn die letzten Tage waren in jeder Hinsicht stressig gewesen. Nur für Sonntag habe ich eine Radtour mit Reni, Frank, Christian, Sven, Jörg und Jörn mit anschließendem Grillen in Eberstadt verabredet. Wolfgang hat sich Anfang der Woche noch kurzfristig bei Kai für eine Gleitschirmtour in die Vogesen angemeldet. Somit habe ich auch die Möglichkeit mal kurz einen Trip in die Vogesen zu machen. Irgendwie kam dann aber alles anders und es war einfach nur klasse!
Am Abend meldet sich Wolfgang aus Schriesheim, wo sich die Gleitschirmgruppe zum Einfliegen und Weiterfahrt in die Vogesen getroffen hatte, und meint er ist gleich zu Hause: Planänderung! Wegen schlechter Wettervorhersage in den Vogesen soll es Donnerstag an die Nahe gehen. Neuer Treffpunkt für all die, die nicht in Schriesheim zelten wollten, war nun Viernheim am Donnerstag um 7:30 Uhr mit Weiterfahrt nach Staudernheim. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass Staudernheim nur eine gute Stunde weg ist. Kurz überlegt und ich pack mein Bündel, um mit Wolfgang zum Gleitschirmfliegen zu fahren. Neben Zelt, Luftmatratze, Schlafsack und Klamotten liegt natürlich auch mein Fahrrad im Auto, jetzt steht der Donnersberg auf meinem Programm.
Donnerstag 21. Mai 2009
Um kurz vor 8 Uhr geht es mit dem Passat Richtung Nahe und wir sind pünktlich am Sportplatz Staudernheim, wo schon Jacek und Michel mit Wohnwagen warten. Kurz darauf ist Kai mit dem Bus da und ratzfatz sind die Jungs auf dem Weg zum nahegelegenen Startplatz. Wie gut, dass Wolfgang ein Handy hat, so ist mir egal, wo es hingeht, ich habe erstmal den Donnersberg im Visier.
Das GPS auf dem Vorbau mit einigen markanten Wegpunkten und los geht es. Ich bin schon ein wenig gespannt, wie das so ist ganz allein in unbekanntem Gebiet zu radeln. Ich sage nur: Probieren geht über Studieren!

Start in Staudernheim
Schon nach wenigen Kilometern gibt es eine Touränderung, denn die geplante Strasse ist aufgerissen und somit unpassierbar. Das macht mir aber überhaupt nichts aus und ich fahre einfach weiter, denn mit GPS, Sonnenstand und offenen Augen für die Gegend muß der Donnersberg doch zu finden sein!

Pfalz
Ich gondel durch die Gegend und laß es mir einfach gut gehen. In Rockenhausen folge ich einer Einladung zur Kirchenbesichtigung und etwas später gibt es auch noch eine Crosseinlage. Dann bin ich aber auch schon am letzten Anstieg zum Donnersberg, echt easy, kann ja auch mein Tempo fahren ;-).

St. Sebastian in Rockenhausen
Vom Ludwigsturm habe ich eine grandiose Aussicht, die Pfalz ist wirklich mal etwas Anderes als Odenwald und Taunus. Anschließend gönne ich mir eine echte Mittagspause mit Leberknödelsuppe. Ich melde mich bei Wolfgang, der mittlerweile schon an einem weiteren Startplatz ist. Soll mir alles Recht sein, irgendwie finde ich die Mannschaft schon.
Ich überlege kurz, ob ich nach Bad Kreuznach fahren soll und Manfred überfalle, entscheide dann aber anders, weil ich auch noch etwas von der Fliegerei sehen will. Die Donnersbergabfahrt ist einfach nur geil, super Asphalt und richtig Speed, da fehlt das 11er.

Ausblick vom Ludwigsturm

Ausblick vom Ludwigsturm

Ludwigsturm

Ludwigsturm
Ich fahre die Strecke zurück, die ich wegen der Strassensperrung auf dem Hinweg umfahren hatte. Leider ziehen Wolken auf und es ist nicht mehr so schön sonnig. Da klingelt mein Handy, Wolfgang meldet sich, sie sind wegen Gewitter in einer Pizzeria in Roxheim. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß ich meine Strecke dafür wieder ändern muß, aber ich hab das mit der Navigation doch schon ganz gut raus :-).
Über Bad Münster Am Stein Ebernburg geht es am Rotenfels vorbei. Mir ist schon klar, dass ich nicht rechtzeitig zum Essen in Roxheim bin, aber der Startplatz kann ja auch nicht weit sein. Ich melde mich im Ort bei Wolfgang und kurz darauf schiebe ich das Fahrrad das letzte Stück einen Weinberg hoch und treffe die Mannschaft.

Rotenfels

Bad Kreuznacher hausberg
Es ist ziemlich bedeckt, aber der Wind kommt aus der richtigen Richtung, wenn auch recht stark. Kai zeigt, wie man starten, fliegen und am gleichen Startort wieder landen kann, der kann es eben. Ich hol mir eine Isomatte, döse ein wenig vor mich hin und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Ich wache rechtzeitig für einen Start von Wolfgang auf und sehe, dass es bereits 18 Uhr ist. Auch der Himmel wird immer dunkler und so mache ich mich lieber auf den Weg zum Auto. Wo wir übernachten steht zu diesem Zeitpunkt nicht fest, denn Kai will noch den Wetterbericht in der Gegend und dem eigentlichen Ziel Vogesen checken.

Klaus und Kai

Wolfgang
Kaum bin ich unterwegs, fallen die ersten Tropfen. Erstmal nicht so viel und ich leiste mir noch einen kleinen Umweg, weil ich nur nach Himmelsrichtung fahre. Dann schau ich aber doch nochmal auf die Karte, nehm die richtige Strasse und kurz drauf geht das Gewitter los. Na, was soll es, ich bin nicht aus Zucker. Kurz vor Bad Sobernheim kommt nochmal die Sonne raus und bis auf die durchweichten Schuhe komme ich recht trocken am Auto an.
Ich freu mich auf eine heiße Dusche und frag mal an, wo wir übernachten. Schon im nächsten Ort Odernheim ist das Zeltlager aufgebaut, Bannmühle heißt der wirklich idyllische Zeltplatz ;-).

Bannmühle
Tja, die heiße Dusche hab ich dort nicht bekommen, aber dafür scheint die Sonne wieder. In der nahegelegenen Straußwirtschaft machen wir den Abschluß des Tages mit Wein, Bratwurst, Wurst und Käseplatten und natürlich den Stories über gelungene und auch weniger gelunge Flüge. Fliegers sind herrlich unkompliziert!
Freitag 22. Mai 2009
Tagesansage von Kai: Wir bleiben in der Gegend, fliegen erstmal in Odernheim und sehen uns bei zu viel Wind die Start- und Landeplätze in der Umgebung an. Meine Radschuhe sind noch quietschnass und weil auch die Sonne so schön scheint, beschliesse ich mitzufahren und auf der Wiese zu relaxen.

Relaxen
Erstmal geht es zum Landeplatz Odernheim, bevor es zu dem passenden Startplatz geht. Die Sone brennt schon und ich lege mich mit meiner Isomatte ins Gras, nur nachher an die Zecken denken, denn gestern hatte mich schon eine erwischt!!! Die ersten Schirme werden ausgepackt, aber der Wind ist nicht wirklich passend. Da braucht man Geduld, das ist nun wirklich nicht mein Ding. Gegen Mittag wird der Wind immer stärker und es ist unfliegbar. Also beschließt Kai weitere Start- und Landeplätze abzufahren, damit jeder weiß wo und bei welchen Bedingungen man hier in der Gegend Fliegen kann. Es dauert eine ganze Weile, bis alle Schirme zusammengepackt und im Bus verstaut sind. Wie gut, daß ich meinen Passat habe.
Es geht auf die andere Hangseite nach Boos, ein Ostwindhang, wogegen Odernheim ein Westhang ist. In Boos darf von April bis Juli nicht geflogen werden, da es dort ein Vogelschutzbgebiet gibt. Als Gleitschirnmflieger muß man schon eine Menge wissen und beachten.

Startplatz Odernheim

Boos
Zum Mittagessen fahren wir nach Bad Sobernheim und dann besichtigen wir noch drei weitere Plätze, zum Teil mit kleinen Wanderungen, denn nicht überall kann man mit dem Auto vorfahren, also doch ein richtiger Sport.

Briefing
Die weitere Planung für das Wochenende ist offen, die Idee ist weiterhin in die Vogesen zu fahren und das noch am späten Abend. Ich überlege, ob ich das wirklich mitmachen will oder lieber nach Hause fahre. Aber warum nicht mal ein bißchen Abenteuer. Ich organisiere bei meinem Vater alles für das geplante Grillen am Sonntag, sage aber bei Reni die Radtour ab. Sie freut sich riesig, dass wir dennoch am Sonntag abend grillen und informiert den Rest der Radler. Ansonsten besorge ich uns etwas zum Abendessen, denn keine Ahnung, wann wir in den Vogesen ankommen.
Wir fahren nach Odernheim um die Zelte abzubauen und danach dort an den Hang zu gehen, da der Wind weiter von Westen her kommt und es dort eigentlich gehen muß. Ich geh schnell duschen, diesmal warm, und als ich zurück komme ist der Wochenendplan wieder geändert. Die Wetteraussichten in den Vogesen sind gut, aber voraussichtlich mit zu viel Wind. Drum soll es morgen früh an die Mosel gehen. Mal sehen, ob ich heute abend wirklich nochmal in der Bannmühle schlafe ;-).
Gegen Abend gibt es gute Flugbedingungen und immer mehr aus der Gruppe gehen an den Start. Viele bleiben direkt über den Nachbarhang hängen und stehen quasi in der Luft. Von dort kann man sicherlich super die Landschaft überschauen und das tolle Licht der Abendsonne geniessen. Zum ersten Mal denke ich selbst daran mal in die Luft zu gehen. Bei solchen Bedingungen ist das sicherlich traumhaft.

Odernheim
Wir bleiben bis fast zum Sonnenuntergang und Kai muß noch los um Walter, der eine Außenlandung ein paar Kilometer abseits gemacht hatte, abzuholen. Wir anderen machen uns nach kurzen Erfrischungsstop am Zeltplatz auf den Weg zu einer offenen Kneipe, was kurz vor 22 Uhr in Odernheim gar nicht so einfach ist.
Beim Pizzaessen mache ich mir Gedanken, welche Radtour ich an der Mosel machen könnte, da meint Kai, daß ich doch einfach die 80 km von Nahe zur Mosel mit dem Rad zurücklegen solle. Gesagt , Getan, mein Plan für Samstag steht fest!
Samstag 23. Mai 2009
Gegen 7 Uhr wird die Mannschaft wach, rundherum hört man das Kruscheln in den Zelten. Ich werf mich in die Radklamotten und pack meine Sachen ins Auto. Bei Wolken-Michel (woher hat er nur diesen Namen?!) gibt es einen einen schnellen Kaffee und um 8:30 machen sich alle auf den Weg und ich steige auf mein Rad. Erstmal fahre ich zum Bäcker um die Ecke und bei Kaffee und Nußschnecke studiere ich die Karte. Die Strecke ist eindeutig, aber zur Sicherheit mache ich mir ein paar Wegpunkte auf's Garmin.

Frühstück
Nun geht es los Richtung Bad Sobernheim. Nach ein paar Kilometern gibt es allerdings schon wieder eine kleine Streckenänderung, ich werde noch zur Navigationsheldin ;-).

Nahe
Gemütlich fahre ich die Nahe entlang bis ich in Kirn die Nahe Richtung Hunsrück verlasse. Hier telefoniere ich kurz mit meinem Vater, der seinen Auftrag erledigt hat. Juhu, die Grillfeier kann starten. Nun geht es langsam bergan bis Bundenbach, wo ich ein kleines Päuschen mache.

Budenbach
Irgendwie hat das Fahren gar nicht angestrengt denke ich, allerdings nicht verwunderlich, denn wir haben Ostwind :-). Über Rhaunen, und Hirschfeld fahre ich zum höchsten Punkt der Tour nach Irmenach. Ab da geht es mit Tempo runter nach Traben-Trabach an der Mosel. Nach den einsamen Sträßchen an der Nahe ist das Leben an der Mosel fast ein Schock. Hier ist es doch viel touritischer! Die letzten Kilometer nach Zeltingen-Rachtig nehme ich den Radweg und komme wegen der vielen Ausflügler nur langsam voran. Ich rufe Wolfgang an und wir treffen uns am Kloster Machern, wo er ist gerade auf der benachbarten Landewiese gelandet war. Wolken-Michel, Basti, Klaus und Ludwig lungern auch dort rum und wundern sich, daß ich schon da bin, schließlich müssen das doch 80 km gewesen wein! Ich frage nur zurück: "Na, welche Windrichtung haben wir ?" ;-)

Traben-Trabach
Nach einer kleinen Mittagspause geht es mit dem Bus zum Startplatz. Dort schlucke ich einen Moment, denn er ist relativ steil und der Blick auf die Mosel im ersten Moment erschreckend. Hier kann man starten??? Ich mache es mir gemütlich und es gibt jede Menge zu sehen. Starten kann man hier wirklich und Thermik ist auch da. So vergeht der Nachmittag mit vielen Starts und einem grandiosen Ausblick.

Zeltingen

Kloster Machern

Wolfgang
Am Abend zelten wir auf einemm Campingplatz auf der anderen Moselseite mit heißer Dusche und anschließendem Essen beim Thai. Ich habe richtig Gefallen an dem etwas chaotischen Haufen um mich rum und bin schon etwas traurig, daß ich morgen mittag nach Hause fahren muß.

Zelting in Zeltingen
Sonntag 24. Mai 2009
Heute stehen wir alle etwas später auf, denn wir bleiben in der Gegend, allerdings an anderen Startplätzen, denn der Wind hat auf West gedreht. Auch Kai treibt niemanden an und geht mit Susanne zum Bäcker Frühstücken. Wir folgen und auch Ludwig gesellt sich zu uns. Natürlich drehen sich die Gespräche, wie schon das ganze Wochenende fast ausschließlich um das Gleitschirmfliegen. Mittlerweile kann ich sogar manchmal mitreden, auch wenn ich (noch) nicht in der Luft war.
Der erste Startplatz liegt nur wenige Kilometer moselaufwärts und ich begleite die Mannschaft dorthin. Ich schau mir die Starts an und Michel meint (mal wieder): "Mach doch einen Schnupperkurs, dann siehst Du, ob Du nicht selbst Fliegen magst." So langsam denke ich selbst daran...

Startplatz Graach
Leider vergeht die Zeit wie im Flug (in der Gesellschaft kein Wunder) und gegen
12 Uhr mache ich mich auf den Heimweg. Wolfgang bleibt natürlich noch, Ludwig nimmt ihn mit nach Hause. Nach Auspacken und Kater begrüßen mach ich mich an die Grillvorbereitungen und gegen 16 Uhr meldet sich Reni aus Erbach. Eine gute Stunde später sind die hungrigen und durstigen Radler da und wir machen uns daran den Grill anzuheizen und von den Wochenenderlebnissen zu erzählen. Auch Heike kommt noch vorbei und so ist die Sardiniengruppe fast vollständig beisammen.

Grillen in Eberstadt

Findus ist auch dabei
Kurz nachdem die Radler sich Richtung Frankfurt aufgemacht hatten, ist Wolfgang da und wir quatschen noch lange über das chaotische, ungeplante, flexible, superschöne und erfolgreiche Wochenende.

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