6. Juli 2009

Mein erster Flug

Letztes Wochenende war es nun so weit! Vor ein paar Wochen war ich mit einer Gruppe Gleitschirmflieger unterwegs und ich hatte "Blut geleckt", wie hier zu lesen. Drum hatte ich mich letzte Woche zu einem Schnupperkurs bei Kai Ehrenfried in der Flugschule Hirondelle angemeldet. Am Wochende 20./21.06.2009 wurde der Kurs angeboten, gefolgt von einem 3-tägigen Einsteigerkurs. Ich hatte mich erstmal nur für die ersten beiden Tage angemeldet, um zu sehen, wie ich mich so anstelle. Allerdings hatte ich vorsorglich Urlaub genommen, um auch beim Einsteigerkurs teilnehmen zu können.
Zur Vorbereitung war ich noch mit Wolfgang auf der Drachenfliegerlandewiese bei Alsbach, um das Handling mit dem Schirm zu üben. Das war ganz schön anstrengend, aber es hat funktioniert und so stand meinem Schnupperkurs nichts mehr im Wege.

... und weiter ...
Schirm aufrichten und ...

... so muß es sein :-)
... der Schirm steht

Anstrengend
Ganz schön anstrengend

Samstag 20. Juni 2009
Wochenende und der Wecker klingelt wie unter der Woche. Heute soll es zum Gleitschirm-Schnupperkurs gehen und da fällt das Aufstehen nicht besonders schwer. Nach dem Frühstück packe ich die Wanderschuhe, Klamotten zum wechseln (wer weiss, was heute noch passiert), Essen und Wasserflasche ein und ab geht es nach Weinheim. Die Flugschule finde ich mit einem kleinen Umweg, naja ich war zwar schon einmal da, aber manchmal hapert es dann doch mit der Navigation. Kai ist am Schirme und Gurtzeig auspacken und so kann ich gleich helfen und lerne Deddel und seinen Sohn Steffen kennen.
Nach und nach treffen die anderen Teilnehmer ein und wir sind schon sehr gespannt, was uns heute alles erwartet. Kurz nach 9 geht es dann mit einer Vorstellungsrunde los. Kai möchte wissen, was unsere Motivation ist. Für einige ist es ein langer Traum, den sie sich erfüllen wollen, andere haben einen Gutschein geschenkt bekommen und Roman fällt mit folgendem Spruch auf: "Ich brauche Adrenalin!". Insgesamt sind wir 12 Männer und 4 Frauen (super Quote) bunt gewürfelt aus der ganzen Region.
Als erstes sehen wir uns einen DHV-Lehrfilm mit Auslegen des Schirms, Gurtzeig anlegen und Schirm aufziehen an. Danach geht es raus, um in 2er Gruppen Gurtzeug und Schirm auszuwählen. Hier lerne ich Kirsten näher kennen, die mit Freund Heiko und Sohn Moriz dabei ist. Diese beiden nehmen aber nicht am Kurs teil, denn Heiko fliegt bereits seit mehreren Jahren und Moriz ist mit 8 Jahren noch etwas zu jung. Da wir etwa gleiche Größe und Gewicht haben, sind wir eines der 2er-teams und teilen uns Schirm und Gurtzeug. Wir verstehen uns auf Anhieb super gut und im Laufe des Wochenendes stellen wir immer mehr Gemeinsamkeiten fest.

Flugschule Hirondelle
Gurtzeug anlegen

Flugschule Hirondelle
Flugschule Hirondelle

Jetzt geht es mit den Autos ab zum Schloßpark in Weinheim. Die Mädels fahren zusammen bei mir im Auto und wir sind schon ein wenig aufgeregt, was jetzt auf uns zukommt. Wegen einer Veranstaltung gibt ein kleines Parkchaos, aber nach einer Weile ist die Gruppe vollzählig auf der Wiese. Diese haben wir nicht ganz für uns, aber Kai meint, es wird schon reichen die Stühle für das Open-Air Konzert sind weit genug weg.

Nicht in die Stühle!!!
Open-Air

Kai legt einen Schirm aus und erklärt uns die verschiedenen Leinen. Kurz darauf ist die Wiese mit Gleitschirmen bunt gesprenkelt und es geht an das Aufziehen des Schirms. Es ist wenig Wind und da müssen wir schon ganz schön Rennen, damit der Schirm die richtige Anströmung bekommt. Kirsten und ich helfen uns gegenseitig und nach einer Weile klappt es schon ganz gut. Kai und Thorsten, der als zweiter Fluglehrer dabei ist, korrigieren immer wieder die Haltung und so vergeht die Zeit wie im Flug. Gegen 14 Uhr müssen wir leider wegen der Open-Air Veranstaltung einpacken und es geht zurück zur Flugschule.

A-B-C-D-Leinen
Kai erklärt die Leinen

Auslegeübung
Schloßpark Weinheim


Kirsten und Corinna
Kirsten und ich

Zurück in der Flugschule besprechen wir die nächsten Tage. Morgen geht es nach Münzesheim, denn für nördliche Windrichtungen gibt es für Anfänger im Odenwald kein geeignetes Startgelände. Der Aufbaukurs soll Montag bis Mittwoch im Schwarzwald sttafinden. Kai geht ganz selbstverständlich davon aus, dass ich mitfahre, aber ich will erst einmal ind er Luft gewesen sein, bevor ich zusage. Für Sonntag verabreden wir Fahrgemeinschaften, ich werde Kirsten abholen, die in Mannheim wohnt.
Dann haben wir noch drei Stunden Theorieunterricht bei Thorsten, wo wir und mit dem Schirm, dem Rettungsgerät und den unterschiedlichen Kräften vertraut machen. Am Abend bin ich ganz schön müde, aber auch sehr gespannt auf das erste Abheben vom Boden.

Sonntag 21. Juni 2009
Wolfgang und ich machen uns schon früh auf nach Mannheim, um Kirsten abzuholen, denn um 9 Uhr treffen wir uns in Münzesheim für die ersten kleinen Flüge. Kirsten ist auch schon fertig und ab geht es zum Treffpunkt Schleckermarkt. nach und nach treffen die Kursteilnehmer ein, auch einige Leute aus anderen Kursen sind dabei, sodass wir schon eine recht große Gruppe sind.

Treffpunkt Münzesheim
Schleckermarkt Münzesheim

Über einen Feldweg geht es zum Startplatz, eine leicht geneigte Wiese. Nach kurzer Zeit liegen die ersten Schirme aus und die Starts können beginnen. Ich schau mir das erstmal an und lasse Kirsten den Vortritt. Sie zieht perfekt den Schirm auf, rennt und hebt ab. Auch die Landung macht sie ohne Probleme und mit einem breiten Grinsen kommt sie den Hügel wieder hochgestapft.
Jetzt bin ich dran. Der Schirm liegt, die Leinen sind geprüft und der Startcheck gemacht. Kai kontrolliert nochmal alles und der Funk ist auch da. Los geht es, Schirm aufziehen, beschleunigen und dann hebe ich vom Boden ab. Das Gefühl ist unbeschreiblich, das hätte ich nie gedacht. Schade, dass die Flugstrecke nur etwa 150m lang ist, so muß ich mich gleich wieder auf die Landung konzentrieren. Der Boden kommt näher, ich bremse den Schirm ab, laufe noch ein Stück mit und der Schirm liegt wieder auf der Wiese. Jetzt ist klar, das will ich weitermachen. Ich packe den Schirm, laufe nach oben und werde von einem stolzen Wolfgang in die Arme genommen.

Startbereit
Startbereit

Mein erster  Flug
Ich fliege
Nicht alle Starts an diesem Tag verlaufen so gut, wie der erste. Ich muß auch mal abbrechen oder werde vom Schirm auf die Knie gezwungen. Eine Arschlandung ist auch dabei, aber dafür ist das Üben ja da. Kai korrigiert, gibt Anweisungen und ist die ganze Zeit in Bewegung.
Am Nachmittag müssen wir abbrechen, da Regen aufkommt. Wir fahren in ein nahegelegenes Café und besprechen die nächsten 3 Tage. Es geht nach Oppenau im Schwarzwald. Übernachten im Zelt oder einer Pension, das kann jeder machen wie er will. Kirsten und ich wollen uns ein Zimmer nehmen, denn bei Regen sind wir beide nicht für's Zelten zu haben, das wollen wir aber vor Ort festmachen. Wolfgang hat Montag frei und so will er den ersten Tag mitkommen. Kirsten will selbst fahren und kann mich Mittwoch mit nach Hause nehmen. Jetzt ist alles geklärt und ich fahre glücklich und zufrieden mit Wolfgang nach Hause.

Montag 22. Juni 2009
Treffpunkt ist um 9 Uhr in Ibach am Startgelände bei Oppenau. Also mal wieder früh aufstehen udn Wolfgang und ich holen uns in einer Bäckerei in Oppenau noch einen Kaffe und belegte Brötchen zum Frühstück. Deddel und Steffen sind schon am Treffpunkt und erzählen, dass Kai etwas später kommen wird. Das Wetter ist trübe und läd noch gar nicht zum Fliegen ein. ich schau mir die Landewiese an, die von einem Flüßchen begrenzt wird. Hoffentlich lande ich mal nicht da drin.
Nach und nach kommen mehr Gleitschirmflieger und dann ist auch Kai mit seinem Wohnmobil vor Ort. gemeinsam setzen wir uns Richtung Startplatz in Bewegung und auch das Wetter wird besser. Oben angekommen sehen wir, dass es hier schon richtig Abwärts geht, wir haben etwa 50 Meter Höhendifferenz bis zum Landeplatz.
Roman ist natürlich einer der Ersten, der ausgepackt und startbereit ist. Kai erklärt noch etwas zur Landung und ab geht es. Eigentlich sieht es gar nicht so schwer aus und ich mache mich auch fertig. Ein wenig mulmig ist mir schon, aber da gibt Kai auch schon Startfreigabe und ich klaufe ls und hebe ab. Einfach geil, hier bekommt man schon ein richtiges Fluggefühl und im ersten Moment scheint die Landewiese ganz weit weg zu sein. Leider kommt sie dann doch näher und ich bin wieder am Boden. Schnell den Schirm in den Schnellpacksack und wieder nach oben, denn das ist ein supertolles Gefühl.

Kappencheck
Startcheck

Schirm steht
Schirm steht

Abflug
Ich fliege

Der Vormittag vergeht schnell und mittags gehen wir ins Nachbardorf zum Essen. Natürlich mit einer Portion Theorie dabei. Am Nachmittag kommen wir nicht mehr zu so vielen Flügen, da der Wind auffrischt und dann auch noch Regen kommt. Aber wir sind dennoch guter Dinge und Philipp packt sogar seine Gitarre aus. Wir nutzen auch die Zeit, um die Übernachtung zu regeln. Kirsten und ich gehen zur Bäuerin am Landeplatz, die uns ein Zimmer im 1. Stock anbietet, das wir auch sofort nehmen. Da auf dem Gelände nicht gezeltet werden darf, wollen einige im Stall im Heu die Nacht verbringen. Der Rest sucht sich im Nachbardorf ein Zimmer.

Kai
Kai zeigt es uns

Philipp
Philipp an der Gitarre

Wolfgang macht sich am frühen Abend auf dem Heimweg und wir packen die Ausrüstung im Bauernhof in einen Schuppen. Jetzt freut sich jeder auf eine heisse Dusche und ein wenig Ausspannen.
Am Abend gehen wir noch auf das Dorffest in Ibach und machen mit Kai Wetterkunde. Ich kann nur sagen, dass ein Landebier besonders gut schmeckt. Zum Abschluß nehmen Roman, Veronika, Kirsten und ich noch einen Absackerwein in Kais Wohnmobil und dann fallen wir einfach nur noch ins Bett.

Dienstag 23. Juni 2009
Der Tag beginnt früh und wir fahren zum Bäcker, um zu frühstücken. Danach geht es wieder rauf zum Startplatz. Deddel kommt mit einer verbundenen Hand. Er hate gesternbeim Start eine Zaunberührung und hat sich den Daumen überdehnt. Nun schillert er in allen Farben und der Arzzt hat einen Verband angelegt. Sehr schade, da ist kein Start mehr drin, aber wir haben heute einen praktischen Kaffeeholer.
Ich habe leichten Muskelkater, Bergauflaufen ist eben doch etwas anderes als Radfahren. Aber auch bei den anderen geht es heute etwas langsamer zu. Weiter geht es also mit dem Üben und wir dürfen auch schon selbständig entscheiden, wann wir starten, Kai greift nur noch ein, wenn etwas besonderes passiert. Thorsten kommt auch vorbei und gibt gute Tipps.
Am Mittag frischt der Wind so stark auf, dass wir auf die Landewiese zum Groundhandling gehen. Ich finde dies super und eine gute Abwechsung und die Möglichkeit besser mit dem Schirm zusrecht zu kommen. natürlich sind wir aber alle begeistert, als es später wieder an den Startplatz geht. Etwas später gelingt mir dann noch das Bild des Tages. Ich stehe am Landeplatz und will eine Landung von Jörn fotografieren. Er kommt ziemlich weit und als ich abdrücke merke ich, dass er mitten im bach gelandet ist. Da habe ich genau im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt. Ihm ist nichts weiter passiert und nachdem er sich umgezogen hat, macht er natürlich weiter.

Groundhandling
Groundhandling


Platsch!!!
Platsch, Jörn landet im Bach

Am Abend bin ich ganz schön platt, aber nun geht es noch zur Theorie. Im Gasthof sehen wir uns einen Lehrfilm über Wetter und Wolken an und ich bin nicht die Einzige die dabei immer mal einnickt. Zum Glück machen wir danach noch ein paar praktische übungen zum Thema und da bin ich wieder dabei.
Eigentlich wollen wir dann noch Grillen, aber es ist kalt und regnerisch und so geht es doch ins Nachbarort und wir lassen uns bekochen, bevor alle ins Bett fallen.

Mittwoch 24. Juni 2009
Unser letzter Tag in Ibach weckt uns mit strahlendem Sonnenschein. Das verspricht ein guter Flugtag zu werden. Kirstens Freund Heiko will mit Thorsten auf den Oppenauer Startplatz für den extra vor etwa zwei Jahren Bäume gefällt wurden. Der Oppenauer Bürgermeister unterstützt eben die Gleitschirmflieger. Am Vormittag kommt noch Michael, genant Wolken-Michel vorbei, den ich von der "Vogesentour" kenne. Er grinst nur, als er mich mit Schirm sieht und schließt sich Thorsten und Heiko mit dem Auto an.

Landeplatz Ibach
Landeplatz Ibach


Startplatz Ibach
Startplatz Ibach

Heiko, Thorsten, Michel
Heiko, Thorsten, Michel

Für uns andere heißt es rauf auf den Berg und starten! Mittlerweile klappt es wirklich gut auch wenn das eine oder andere mal ein Startabbruch fällig ist oder auch mal eine Landung auf dem Hintern endet. Die Mittagszeit mit stärkerem Wind verbringen wir wieder mit Groundhandling und am Nachmittag gibt es noch den eine oder anderen Start. Gegen Spätnachmittag haben wir Rückenwind und so packen wir langsam ein und nach und nach fahren alle nach Hause. Wir werden uns aber sicherlich bald an dem einen oder anderen Hang wiedersehen. Einige werden weitermachen und die A-Schein Höhenflüge sollen Anfang August in Greifenburg stattfinden. Ich möchte schon weitermachen, weiß aber nicht, ob ich Urlaub bekomme.
Die Tage im Schwarzwald waren einfach klasse und es war eine super Truppe. Ich bin gespannt, wie es mit dem Gleitschirmfliegen weitergeht.

Montag 6. Juli 2009 Nachtrag
Morgens um 9 habe ich mein Jour fixe mit meinem Chef. Ich muß ihn natürlich sofort auf Urlaub ansprechen. Er hat kein Problem und genehmigt mir die Woche. Es geht also am 31.07.09 für 9 Tage nach Greifenburg in Österreich für die ersten Höhenflüge! Vielleicht klappt es dieses Jahr noch mit dem A-Schein.